Projekte

Dauerausstellung Berta Hummel im Freilichtmuseum Massing

Fläche:
ca. 400 qm
Zeitraum:
2026-2027
Auftraggeber:
Freilichtmuseum Massing
Leistungen:
Ausstellungsgestaltung, Grafik, Licht- und Medienplannung

Galerie

Wettbewerb gewonnen: Neue Berta-Hummel-Dauerausstellung im Freilichtmuseum Massing

Wettbewerbsgestaltung

Unser Büro hat den Gestaltungswettbewerb für die neue Dauerausstellung zu Berta Hummel im Freilichtmuseum Massing gewonnen. In einem kapellenartigen Neubau mit steilem Satteldach und heller Ziegelfassade (Architekt: Prof. Markus Frank), direkt am Eingangsbereich des Freilichtmuseums in Massing (Landkreis Rottal-Inn), entsteht auf zwei Etagen eine Ausstellung über Leben und Werk der Künstlerin.

Die Eröffnung erfolgt 2027. Wir freuen uns sehr über das Vertrauen des Museums und auf die Zusammenarbeit mit dem Team des Freilichtmuseums Massing. Die umfangreiche Sammlung zu Leben und Werk stammt aus dem Familienbesitz und ist dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden.

Berta Hummel

Unser Konzept verfolgt einen biographisch-künstlerischen Ansatz. Berta Hummel ist weltweit durch die nach ihr benannten Figuren bekannt. Ihre Person und ihr Werk reichen jedoch weit darüber hinaus. Die Ausstellung stellt eine bemerkenswerte Persönlichkeit und ihre Entwicklung vor: eine junge, fast emanzipiert zu nennende Frau, die 1909 in Massing geboren wird, aus der bayerischen Provinz nach München geht und dort von 1927 bis 1931 an der Akademie für Angewandte Kunst studiert. In ihrer Studienzeit entstehen Porträts, Karikaturen, Stadtansichten und Stillleben von expressionistischer Prägung. Sie schließt als Klassenbeste ab und entscheidet sich dann für den Eintritt bei den Franziskanerinnen von Sießen. 1934 legt sie ihre Profess ab und setzt als Schwester Maria Innocentia ihre künstlerische Arbeit im klösterlichen Kontext fort.

Ihr Weg fällt in die Jahre des aufkommenden und dann etablierten Nationalsozialismus. Mit ihrem christlichen Wert- und Menschenbild stand sie dem Regime unvereinbar gegenüber. Die NS-Kunstkritik diffamierte ihre Kinderbilder öffentlich, 1940 wurden die Schwestern aus dem Kloster Sießen vertrieben. Beim breiten Publikum blieb sie dagegen durchgehend erfolgreich, ihre Einkünfte wurden zur wirtschaftlichen Hauptstütze des Klosters. Auch diese Erfahrung von Anfeindung und Bedrängnis gehört zu ihrer Geschichte und wird in der Ausstellung erzählt.

Biografie und Zeitgeschichte 

Das Erdgeschoss widmet sich dieser Biografie und dem künstlerischen Werk. Ein illustrierter Zeitstrahl mit ausdrucksstarken Fotografien aus allen Lebensphasen, persönliche Gegenstände wie Berta Hummels Palette, Farben und Briefe sowie Originalzeichnungen zeigen die zeichnerische Präzision und Beobachtungsgabe einer Künstlerin, deren Bildwelt oft vorschnell als niedlich abgetan wird. Szenen ihres Lebens, die überliefert, aber nicht fotografisch dokumentiert sind, werden im Stil einer Graphic Novel erzählt und machen den zeitgeschichtlichen Hintergrund gerade für jüngere Besucher anschaulich. Eine Filmstation mit historischem Material und gerichteter Akustik führt in den Gesamtzusammenhang ein.

Galerie

Ein Herzstück des Erdgeschosses ist die Galerie im hinteren, tageslichtreduzierten Raumbereich. Hier werden die originalen Zeichnungen und Aquarelle Berta Hummels präsentiert und thematisch gruppiert, von den frühen Werken über die Münchner Ausbildungszeit, Porträts und religiöse Kunst bis zu den berühmten Kinderdarstellungen. Arbeiten auf Papier sind lichtempfindlich und dürfen nur begrenzte Zeit ausgestellt werden.

Unser Konzept berücksichtigt konservatorischen Vorgabe: Blendwände mit Mikroperforation erlauben einen Wechsel der Werke und Beschriftungen, sodass die Galerie in variabler Hängung immer wieder neue Einblicke in das künstlerische Werk eröffnet und Besuchern auch beim wiederholten Besuch Neues bietet. Glasstelen erweitern die Präsentationsfläche, ohne den Raum zu verstellen. Gedimmtes und präzise eingestelltes Licht sorgt dafür, dass die empfindlichen Originale dauerhaft bewahrt bleiben und zugleich in würdiger Atmosphäre zur Geltung kommen.

Hummelwelt

Das Obergeschoss lässt die Welt der Hummelfiguren farbenfroh und nahbar werden. Sie beginnt zu Lebzeiten der Künstlerin: 1934 erhält die Porzellanfabrik W. Goebel die Lizenz, ihre Zeichnungen in Figuren umzusetzen, 1935 werden die ersten Feinkeramik-Kleinplastiken vorgestellt. Bis heute entstanden über 400 verschiedene Figuren, die weltweit eine große Sammlergemeinde gefunden haben. Behutsame Animationen zeigen, wie aus einer Bleistiftzeichnung Schritt für Schritt eine Figur wird. Ein interaktives Hummel-Memory verbindet spielerischen Einstieg mit inhaltlicher Vertiefung, taktile Stationen machen Motive und Materialien mit den Händen erfahrbar. Eine eigene Kinderspur mit haptischen und spielerischen Angeboten verläuft parallel zur Haupterzählung.

Berta Hummel starb 1946 mit nur 37 Jahren im Kloster Sießen. Die Ausstellung würdigt ihre Biografie und ihr künstlerisches Werk, das früh unvollendet blieb und doch bis heute Menschen auf der ganzen Welt erreicht.

So entsteht ein Haus, das die künstlerische und biografische Tiefe Berta Hummels dokumentiert und zugleich Familien, Schulklassen und älteren Einzelbesuchern einen sinnlichen, partizipativen und barrierefreien Zugang eröffnet.