Die Sonderausstellung »überLeben in der Eiszeit« im Ruhr Museum ist Teil der paläontologischen Landesausstellung in Nordrhein-Westfalen. Unter dem gemeinsamen Titel »überLeben« verbinden drei Standorte in Essen, Münster und Detmold ihre Ausstellungen zu einer Erzählung über die Entwicklung des Lebens über Millionen von Jahren. Während die Häuser in Münster und Detmold weitere erdgeschichtliche Epochen beleuchten, konzentriert sich die Essener Ausstellung auf das Quartär und damit auf die letzten 2,6 Millionen Jahre.
Die Ausstellung thematisiert den Wechsel von Kalt- und Warmzeiten und die damit verbundenen Veränderungen von Landschaft, Pflanzenwelt, Tierwelt und Mensch. Originalfunde wie der Mammutschädel von Haltern, Tierrekonstruktionen und mikroskopische Pflanzenreste veranschaulichen die Lebenswelten der Eiszeit. Gleichzeitig wird der natürliche Klimawandel der Erdgeschichte dem heutigen menschengemachten Klimawandel gegenübergestellt.
Gemeinsam mit dem kuratorischen Team des Ruhr Museums entwickelten wir ein räumliches und visuelles Konzept, das wissenschaftliche Inhalte und Ausstellungsarchitektur miteinander verbindet. Die Ausstellung befindet sich im Kohlebunker auf der 12-Meter-Ebene des UNESCO-Welterbes Zeche Zollverein. Die bestehende Betonarchitektur wurde bewusst in die Gestaltung einbezogen. Ihre industrielle Anmutung verweist auf das Industriezeitalter und bildet zugleich einen Kontrast zu den dargestellten eiszeitlichen Lebensräumen.
Der Mittelsteg bildet das zentrale Rückgrat der Ausstellung. Entlang dieser Achse wird der „Zug der Tiere“ inszeniert, eine über zwanzig Meter lange Folge aus Skeletten und rekonstruierten Tierkörpern. Die Gegenüberstellung ermöglicht Einblicke in anatomische Strukturen und macht wissenschaftliche Erkenntnisse räumlich erfahrbar. Die Präsentation folgt einer klaren Dramaturgie und zeigt kältetolerante, wärmeliebende sowie besonders anpassungsfähige Arten. Die Seitenräume ergänzen die Hauptachse mit Themen zu Landschaften, Pflanzenwelten und zur Rolle des Menschen.
Ein wichtiges Gestaltungsmittel ist das Spiel mit unterschiedlichen Maßstäben. Die Ausstellung reicht von mikroskopischen Pflanzenresten und Schneeflocken bis zu raumgreifenden Exponaten wie dem Mammutschädel. So werden die Vielfalt und Vernetzung der Lebensräume sichtbar.
Die Farb- und Materialgestaltung folgt einem klaren Konzept. Dunkle Anthrazittöne treten in den Hintergrund und rücken die Exponate in den Fokus. Der Mittelsteg ist in Salbeigrün gestaltet und verweist auf die Vielfalt eiszeitlicher Landschaften. Gastobjekte werden durch kräftige Gelbtöne gekennzeichnet, interaktive Elemente durch ein helles Blau.
Gezielt eingesetztes Licht hebt Exponate hervor und unterstützt die Orientierung im Raum. Zusammen mit Projektionen und Animationen entsteht eine vielschichtige Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte.
Unsere gestalterische Haltung bleibt dabei bewusst zurückhaltend. Sie versteht sich nicht als dominierendes Element, sondern als präzise gesetzter Rahmen, der die Qualität und Aussagekraft der Exponate unterstützt. Durch diese Balance entsteht ein immersiver Erlebnisraum, in dem Gestaltung, Architektur und Wissenschaft ineinandergreifen und die Besuchenden aktiv in ein Spannungsfeld zwischen Erdgeschichte und aktueller Klimadebatte einbeziehen.