Blick über Espelkamp

Projekte

Virtuelles Haus der Geschichte Espelkamps

Status:
Wettbewerb, 1. Platz und Realisierung
Zeitraum:
2025-2026
Auftraggeber:
Stadt Espelkamp
Leistungen:
Konzept, Gestaltung, Grafik, Medien
Partner:
Torsten Siemon ( Leitung Sachgebiet Kultur, Stadtmarketing, Öffentlichkeitsarbeit), Dr. Aaron Pfaff (Leitung Stadtarchiv)
Team :
Dr. Ulrich Hermanns (Leitung), Miriam Steff (Grafik und Webdesign), Kim Nora Magdeburg (Virtuelle Modelle)

Aufbau Kleinsiedlerstellen

Virtuelles Museum in neuer Dimension

Ein Projekt mit Modellcharakter

Das Virtuelle Haus der Geschichte Espelkamps zeigt exemplarisch, wie kommunale Geschichte im digitalen Raum neu gedacht werden kann: als offenes System, das Forschung, Vermittlung und Beteiligung miteinander verbindet. Durch die Kombination aus innovativen Medienformaten, klarer Struktur und hoher inhaltlicher Differenzierung entsteht ein Projekt, das weit über die Region hinaus Strahlkraft entfalten kann – insbesondere für vergleichbare Städte mit ähnlicher Entstehungsgeschichte.

Mit dem Virtuellen Haus der Geschichte Espelkamps entsteht kein klassisches Online-Archiv, keine typische Museums-Homepage, sondern ein neuer Typus Museum: digital, partizipativ und erzählerisch. Ausgangspunkt ist eine außergewöhnliche Stadtgeschichte – von der NS-Munitionsanstalt über die Nachkriegs-Flüchtlingsstadt bis hin zur heutigen Einwanderungsgesellschaft. Diese Geschichte wird nicht nur dokumentiert, sondern erfahrbar gemacht – als vielstimmiges, wachsendes Narrativ.

Die Stadt und ihre Gesellschaft  

Espelkamp in Ostwestfalen ist eine Stadt ohne eine lange gewachsene Vergangenheit – und gerade darin liegt ihre Besonderheit. Nach 1945 auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsanstalt gegründet, wurde sie gezielt als neue Heimat für Flüchtlinge und Vertriebene aufgebaut.

Bis heute prägt Migration das Stadtbild: Menschen aus über 100 Nationen und unterschiedlichen religiösen Communities machen Espelkamp zu einem lebendigen Beispiel für Zusammenleben, Vielfalt und gesellschaftlichen Wandel.

Das Virtuelle Haus der Geschichte Espelkamps

Der zentrale Innovationsansatz liegt in der Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung und emotionaler Vermittlung. Das Projekt versteht sich bewusst als Public-History-Plattform: Es richtet sich an eine breite Öffentlichkeit, integriert unterschiedliche Perspektiven und macht Migration als prägendes, bis heute wirksames Thema sichtbar. Statt linearer Geschichtsdarstellung entsteht ein offenes System aus Modulen, das individuelle Zugänge erlaubt – visuell, auditiv, interaktiv und mehrsprachig.

Gleichzeitig ersetzt die digitale Plattform kein physisches Museum, sondern nutzt ihre eigenen Stärken: Sie ist skalierbar, jederzeit erweiterbar und unabhängig von Ort und Öffnungszeiten zugänglich. Damit wird sie zu einem nachhaltigen und wirtschaftlich tragfähigen Modell für kommunale Geschichtsvermittlung.

Unsere Leistungen 

Die konzeptionelle und mediale Entwicklung des Projekts basiert auf einer klar gegliederten Modulstruktur, die wir inhaltlich, gestalterisch und technisch in Kooperation mit der Stadt Espelkamp definiert haben:

Im Stadtpanorama entsteht ein interaktiver Zugang zur Stadtentwicklung – mit Zeitstrahl, Karten und verorteten Geschichten. Geschichte wird hier räumlich erfahrbar und mit dem Stadtraum verknüpft.

Mit dem Modul Muna übersetzen wir historische Forschung in ein begehbares digitales 3D-Modell. Komplexe Zusammenhänge werden über visuelle Rekonstruktionen und interaktive Hotspots verständlich gemacht.

Im Bereich Menschen entwickeln wir biografische Erzählformate, die individuelle Lebensgeschichten in den Mittelpunkt stellen – als Videos, Hörstücke und Bild-Text-Formate. So entsteht ein emotionaler Zugang zur Stadtgeschichte.

Das Modul Religionen und Communities beleuchtet gesellschaftliche Strukturen und kulturelle Vielfalt – ein zentraler Baustein für die thematische Differenzierung des Projekts.

Mit den Dingwelten schaffen wir ein innovatives Sammlungsformat: Alltagsobjekte werden digitalisiert, kontextualisiert und als 3D-Exponate zugänglich gemacht. Ergänzt wird dies durch ein partizipatives Fotoarchiv mit Upload-Funktion – die Sammlung wächst mit der Stadtgesellschaft.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der wissenschaftlichen Erschließung: Über Katalog- und Verschlagwortungssysteme wird das Portal zu einer recherchierbaren Wissensplattform.

Parallel dazu entwickeln wir mediale Formate wie Podcasts, digitale Publikationen und Streaming-Inhalte, die Geschichte in aktuelle Kommunikationsformen übersetzen.

Für die Vermittlung konzipieren wir didaktische Angebote für Schulen und Gruppen – von analogen Arbeitsmaterialien bis zu interaktiven Lernmodulen und Live-Seminaren.

Ergänzt wird das Angebot durch spielerische Zugänge für Kinder, barrierefreie Inhalte (inkl. einfacher Sprache und Gebärdensprache) sowie eine konsequent mehrsprachige Ausrichtung.